Wenn frühmorgens das Dämmerlicht langsam durch die Vorhänge kriecht, in letzter Zeit recht oft, überkommen mich bange Gedanken, so irgendwie ängstliche Momente, die mich erschrecken, verwirren. Ich stelle mir dann vor, dass es Tage der Abrechnung gibt, an denen das Imperium der Finsternis allgewaltig zuschlagen wird, zertrümmert die Glaspaläste meiner Traumwelten, spaltet wie ein Schwert mein Herz, plötzliche Abschiede, Trennungen, Verluste überall, auch Tod. Wird es heute sein? So frage ich in die Stille des Zimmers, meine Frau schläft ruhig, sanft ihr Heben und Senken des Brustkorbs, aus der Küche höre ich das Schlappern des Hundes aus seinem Napf, nein, denke ich mir, heute wird es nicht sein. Zumindest bin ich vorgewarnt, lese dann morgens in klugen Büchern, bei Anselm Grün, Willigis Jäger, Jörg Zink, um mich zu stärken an ihren Trostworten, an der Verheißung eines liebenden Gottes, oder der Vision eines unendlichen Universum, wo nichts verloren geht, keiner auf ewig stirbt, alles zurückfällt in die zärtliche Hand einer Höheren Macht. Im Laufe des Tages dann spüre ich die Kraft des Geistes, wie er mich hinaufträgt auf den Turm der Zuversicht, von wo aus ich hinausblicken kann auf das Land des Lebens, die Berge, Täler, Flüsse, Meere. An der Sonne beflügelt mich der Mut zum Lebendigsein, da wage ich es, Tag für Tag, an Sinn und Tiefe des Schicksals zu glauben, ja, da erfüllt mich für Stunden fröhliche Heiterkeit, unsterbliche Hoffnung.