Tage der Abrechnung

Wenn frühmorgens das Dämmerlicht
langsam durch die Vorhänge kriecht,
in letzter Zeit recht oft,
überkommen mich bange Gedanken,
so irgendwie ängstliche Momente,
die mich erschrecken, verwirren.

Ich stelle mir dann vor,
dass es Tage der Abrechnung gibt, 
an denen das Imperium der Finsternis
allgewaltig zuschlagen wird,
zertrümmert die Glaspaläste
meiner Traumwelten, spaltet 
wie ein Schwert mein Herz,
plötzliche Abschiede, Trennungen,
Verluste überall, auch Tod.

Wird es heute sein?
So frage ich in die Stille des Zimmers,
meine Frau schläft ruhig, 
sanft ihr Heben und Senken des Brustkorbs,
aus der Küche höre ich das Schlappern
des Hundes aus seinem Napf,
nein, denke ich mir,
heute wird es nicht sein.

Zumindest bin ich vorgewarnt,
lese dann morgens in klugen Büchern,
bei Anselm Grün, Willigis Jäger, Jörg Zink,
um mich zu stärken an ihren Trostworten,
an der Verheißung eines liebenden Gottes,
oder der Vision eines unendlichen Universum,
wo nichts verloren geht, keiner
auf ewig stirbt, alles zurückfällt
in die zärtliche Hand einer Höheren Macht.

Im Laufe des Tages dann
spüre ich die Kraft des Geistes,
wie er mich hinaufträgt
auf den Turm der Zuversicht,
von wo aus ich hinausblicken kann
auf das Land des Lebens,
die Berge, Täler, Flüsse, Meere.
An der Sonne beflügelt mich
der Mut zum Lebendigsein, 
da wage ich es, Tag für Tag,
an Sinn und Tiefe des Schicksals
zu glauben, ja, da erfüllt mich für Stunden
fröhliche Heiterkeit, unsterbliche Hoffnung.


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